„Arbeiten mit Holz hat etwas Meditatives“ – Werkstattbesuch bei Eva Wimmer

Den ganzen Tag vorm flimmernden PC-Screen sitzen, das überquellende Postfach im Blick, den Telefonhörer am Ohr und das nächste Projekt im Kopf? Und das jeden Tag? Nichts für Eva Wimmer. Die ehemalige PR-Beraterin hat Nägel mit Köpfen gemacht und 2013 den Schritt in die Selbständigkeit als Holzdesignerin gewagt.

Mitten im trubeligen Kreuzberg, versteckt in einem Hinterhof, kann man auf kleine und große Schätze stoßen. Schmuck, Nachttische, Plattenkisten – alles aus Holz und alles mit Fotografien zu ganz besonderen Unikaten veredelt.

Eva hat OFFLINES in die Werkstatt eingeladen, in der sie die schönen Stücke fertigt, die sie unter dem Label madeva vertreibt. Das erste, was auffällt, ist die große Ruhe, die über dem Arbeitsplatz liegt. Die Kollegen, mit denen sie sich die Werkstatt teilt, sind gerade nicht da und so haben wir Gelegenheit, ganz entspannt über madeva, Marathonlauf und ihre ganz persönlichen Digital Detox-Tipps zu plaudern.

Mutig sein macht glücklich: Eva an ihrem neuen Arbeitsplatz in einer Kreuzberger Werkstatt.

Mutig sein macht glücklich: Eva an ihrem neuen Arbeitsplatz in einer Kreuzberger Werkstatt.

Du bist Holzdesignerin. Das klingt spannend. Was bedeutet dieser Begriff eigentlich?
Im Prinzip habe ich mir diese Berufsbezeichnung ausgedacht, weil ich eine Antwort auf die Frage „Was machst du jetzt eigentlich?“ haben wollte. Der Begriff soll umfassen, dass ich logischerweise mit Holz arbeite, „Gegenstände“ (Schmuck, Bilder, Möbel usw.) daraus produziere, und diese mit Fotografien verschönere.

Du hast vorher in der PR-Branche gearbeitet und dich irgendwann entschieden, komplett umzusatteln. Was war der Auslöser für diese Entscheidung?
Auslöser war meine große Unzufriedenheit darüber, dass ich nach einem üblichen 8-Stunden-Arbeitstag meine Arbeit nicht fassen konnte. Ich konnte nichts in den Händen halten, nicht sehen, was ich da eigentlich den ganzen Tag über gemacht hatte. Das hat in mir Frust ausgelöst und mir klar gemacht, dass ich beruflich nur dann glücklich werden kann, wenn ich etwas Greifbares schaffe.

Wie bist du in der Werkstatt gelandet?
Kurz vor meiner Kündigung habe ich mir eine Galerie mit wunderschönen Möbeln angeschaut und deren Besitzer kennen gelernt. Ich habe ihm von meinem Vorhaben erzählt und kurze Zeit darauf eine Mail geschrieben und gefragt, ob er mich nicht ein wenig briefen könne. Gesagt getan, und schließlich durfte ich in seine Werkstatt einziehen.

Raus aus dem Wintertief mit einer ordentlichen Portion Neonpink!

Raus aus dem Wintertief mit einer ordentlichen Portion Neonpink!

Was ist der größte Unterschied zu deinem vorherigen Bürojob?
Dass ich meine Arbeitszeiten frei gestalten und einteilen kann!

Den sicheren Job an den Nagel zu hängen, um seinen Traum zu verwirklichen, erfordert viel Mut. Wo hast du diesen hergenommen?
Den habe ich von meiner Mutter. Ich habe ihr lange mit meinen beruflichen Träumen in den Ohren gelegen, bis sie mir gesagt hat: „Kind, hör auf zu reden, mach es!“ Diese Worte von meiner Mutter haben mir die nötige Kraft gegeben.

Als selbständige Unternehmerin muss man eigentlich jederzeit erreichbar sein für Anfragen und Aufträge. Wie kannst du abschalten?
Ich habe Glück und kann sogar während der Arbeit abschalten. Das Arbeiten mit Holz hat etwas Meditatives. Aber wenn es mir in dem Zusammenhang nicht gelingt, dann mache ich mein Handy aus, checke keine Mails und nehme keine Anrufe entgegen. Dafür habe ich mich ja unter anderem auch selbstständig gemacht: Dass ich frei über meine Verfügbarkeit entscheiden kann.

Digital Detox an der Schleifmaschine: Beim Arbeiten mit Holz kann Eva abschalten.

Digital Detox an der Schleifmaschine: Beim Arbeiten mit Holz kann Eva abschalten.

OFFLINES steht für einen bewussteren Umgang mit digitalen Medien. Was sind deine Digital Detox-Strategien?
Meine wichtigste und erfolgreichste Strategie ist wohl der Sport. Ich gehe joggen, da habe ich Zeit, runter zu kommen und über mich nachzudenken. Oder ich fahre in die Natur. Ich liebe es, in der Natur zu sein. Auch da habe ich das Gefühl, nicht erreichbar zu sein.

Was würdest du Menschen raten, denen es schwer fällt, abzuschalten und zur Ruhe zu kommen?
Ich würde ihnen vorschlagen, Erreichbarkeits-Zeiten festzulegen. Ab 18 Uhr checke ich zum Beispiel keine Mails mehr, blende Facebook aus und gehe auch nicht mehr ans Telefon. Bücher lesen, raus gehen, Sport machen! Ich bin mir sicher, dass alles ab 18 Uhr nicht so dringend sein kann, dass es nicht auch auf den nächsten Tag verschoben werden könnte.

Was sind deine Wünsche fürs neue Jahr? Wo soll die Reise hingehen?
Ich möchte meinen ersten Marathon im September schaffen und natürlich für madeva viele weitere Produkte entwickeln und meinen Vertrieb deutschlandweit ausbreiten. Das sind, glaube ich, ausreichend herausfordernde Ziele, deswegen nenne ich erst mal keine anderen. Step by step!

 

Mit Evas Nachttischen kann man sich morgens mit der schönsten Urlaubserinnerung wecken lassen oder mit einem Farbknall.

Evas Nachttische wecken morgens mit der schönsten Urlaubserinnerung oder mit einem Farbknall.

 

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