„Wenn ich frei habe, lasse ich mein Handy bewusst zu Hause“ – Kathleen Lindner, Coach bei OFFLINES

Kathleen Lindner ist Medienbildnerin und angehende Psychologin. Sie besitzt fundierte Erfahrung auf den Gebieten Datenschutz und Cybermobbing. In lebendigen und spielerischen Workshops vermittelt sie Präventionsansätze und Methoden für den aufgeklärten Umgang mit den eigenen Daten im Netz.

Im OFFLINES-Interview erklärt sie, warum der Schutz der persönlichen Daten im Internet so wichtig ist und welche Regeln sie persönlich anwendet für einen entspannten Umgang mit dem Internet.

Kathleen Lindner

Was ist der häufigste Fehler den Menschen im Internet machen bezüglich der eigenen Sicherheit?
Die Leute versäumen es oft, die AGBs und die Datenschutzerklärungen der besuchten Seite zu prüfen, oder nehmen sich schlicht nicht die Zeit dazu. Oder mit der Einstellung „Ich habe sowieso nichts zu verbergen“ herangehen. Oftmals stimmt man auch zum Beispiel dem Zugriff aufs Telefonbuch beim Herunterladen von Apps zu, ohne dass man es merkt, nur weil so schnell wie möglich die gewünschte App her soll. Das ist natürlich nicht sehr langfristig gedacht und wird in Zeiten der Profilbildung teuer. Online gilt nicht mehr „gleiche Ware, gleicher Preis“. Der Preis einer Ware bildet sich aus den Daten, die man als Bürger hinterlässt.

Viele Kids nutzen ihre Devices ganz selbstverständlich von klein auf. Wie fit sind sie deiner Erfahrung nach, was die Themen Datenschutz etc. angeht?
Datenschutz ist für Kids auf den ersten Blick eher ein trockenes Thema. Es kommt vor allem darauf an, wie Lehrer und Eltern es schaffen, das Thema zu erklären. Das sollte möglichst griffig und spielerisch laufen. Wie ich das in meinen Workshops mitbekomme, sind schon ein paar wichtige Grundlagen vorhanden. Aber vieles auch nicht: zum Beispiel das Bewusstsein über eigene Datenspuren, die man im Netz hinterlässt. Viele Kinder achten auch nicht darauf, was in Datenschutzerklärungen steht – das erscheint ihnen oft zu mühselig. Hier sind ganz klar die Erziehungsberechtigten als Begleiter gefragt. Aber auch Kinder sollten sich trauen, lieber einmal mehr nachzufragen, wenn Unsicherheit über die Umgangsweise mit den Herausforderungen einer vernetzten Welt und den Schutz der eigenen Daten besteht.

Hast du selbst Menschen im Bekanntenkreis, die Opfer von Cybermobbing oder Datenklau geworden sind?
Zum Glück ist in meinem Bekanntenkreis noch kein Opfer von Cybermobbing geworden. Bei Datenklau sieht das schon wieder anders aus: Eine Bekannte hat einmal vor längerer Zeit das Kleingedruckte nach Bekanntgabe ihrer Daten nicht richtig gelesen und schon ist ihr ein Brief über Kosten ins Haus geflattert.

Benutzt du selbst WhatsApp oder ähnliche Messenger-Dienste und kannst du verstehen, was die Faszination daran für Kinder und Jugendliche ausmacht?

WhatsApp – kostenloses, multimediales und schnelles Kommunizieren mit Freunden in Echtzeit, davon geht eine starke Faszination aus. WhatsApp ist auch als Ersatz der Face to Face-Kommunikation zu sehen, weil es im heutigen (Schul-)Alltag gefühlt immer schwieriger wird, sich persönlich zu treffen und auszutauschen – mit WhatsApp fühlen sich, glaube ich, viele Menschen weniger allein. Dabei gibt es doch eigentlich genügend Offline-Aktivitäten die Spaß machen.

Ich selbst nutze WhatsApp ebenfalls, weil viele meiner Freunde dort sind und vor allem auch, um bei meiner Arbeit in Medienbildungsprojekten „up to date“ zu bleiben. Man darf jedoch nie vergessen, dass dieser Messenger kein privater Raum ist. Empfehlenswerte Alternativen sind zum Beispiel Messenger, die mit einer Verschlüsselung arbeiten wie zum Beispiel Threema oder Telegram.

Hast du Regeln oder bestimmte Verhaltensweisen mit dem Smartphone oder PC in deinen Alltag integriert, um einen gesunden Umgang mit den Devices zu gewährleisten? Und wenn ja, welche?
1. Regel: Wenn ich frei habe und rausgehe, lasse ich mein Handy oft bewusst zu Hause – meine Offline-Zeit.
2. Regel: Push-Benachrichtigung von sämtlichen sozialen Netzwerken habe ich auf meinen Geräten deaktiviert, um nicht abgelenkt zu werden.
3. Regel: Ich konzentriere mich auf eine Aufgabe und lasse mich nicht alle fünf Minuten von Facebook etc. ablenken. Wer das nicht von allein kann, kann Extensions/Add-Ons wie „StayFocusd“ oder „LeechBlock“ ausprobieren, die den Zugriff auf definierte Seiten limitieren.
4. Regel: Wenn ich lange U-Bahnfahrten vor mir habe, greife ich zum Buch oder zur Zeitschrift und nicht zum Handy, außer wenn ich mit schöner Musik meditieren will.

Welchen Service oder Hilfe im alltäglichen Leben, die ein Smartphone mit sich bringt, möchtest du nie wieder missen?
Restaurant-Tipps in meiner Nähe abrufen zu können oder das Navigationssystem. Obwohl ich mich auch gerne treiben lasse und mit den eigenen Augen entdecken will.

Was machst du am liebsten offline?
Fahrrad fahren, Keyboard spielen, kulturelles Erleben mit Partner und Freunden, Lesen, im Wald spazieren gehen oder Pilze sammeln, Schreiben und Malen, Meditieren, Yoga oder Hamambad.

Foto: Maximiliane Wittek

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